Facebook/Social Media

Social Media ist nicht gleich direkte Kommunikation

Zu den Besonderheiten von Social Media wird ja oft gezählt, man könne dort endlich direkt mit seinen Kunden interagieren, endlich gäbe es keine lästigen Gatekeeper mehr, so wie es der Journalist im Falle der PR ist. Doch spätestens seitdem zuhauf Katzenfotos von verantwortlichen Kommunikations-Managern gepostet werden, hat die Behauptung von Social Media Kommunikation als direkter Kommunikation einen Knacks weg bekommen.

Cat Content ist nicht nur seines fehlenden Inhalts wegen kaum zu direkter Kommunikation zu zählen, sondern vor allem wegen dem Grund der eigentlich dahinter steckt: Den Facebook Algorithmus (oder auch Edgerank genannt) zu überwinden und mehr als die paar Prozent Reichweite auf Facebook zu erzielen. Wenn auf Fanpages also Inhalte veröffentlicht werden mit dem Ziel, die Technik zu überlisten bzw. den Algorithmus milde zu stimmen, anstatt tatsächlich mit der eigentlichen Zielgruppe zu reden – wie kann man denn dann noch von direkter Kommunikation reden?

Die Problematik beschränkt sich nicht nur auf Facebook. Allgemein hat Social Media Content mit dem Problem der Auffindbarkeit zu kämpfen. Ein Beitrag auf einem Unternehmensblog muss erst einmal aufgefunden werden. In vielen Fällen heißt dies eine SEO-Optimierung des Textes oder aber externe Verlinkungen oder Cross-Promotion über andere Social Media Kanäle. Einzig und allein bei treuen Lesern, die bewusst gerne die eigenen Unternehmensbeiträge konsumieren und den Blog zum Beispiel per RSS-Feed abonnieren, besteht das Problem der Auffindbarkeit nicht. Die Gewinnung neuer Leser und somit neuer potentieller Kunden hat jedoch immer mit dieser technischen Hürde zu kämpfen.

Noch stärker gilt dies für Tweets, die ja in den meisten Fällen nur über die Timeline und somit nur als aktueller Content rezipiert werden. Nutzer, die in dem entsprechenden Zeitfenster nicht online sind oder nicht aktiv den Unternehmens-Twitteraccount besuchen, werden von der Kommunikation eben nicht direkt erreicht.

Kommunikation in Social Media muss somit also nicht nur darauf abzielen, den Zielgruppen passenden Content zu liefern, sondern eben auch technische Hürden überwinden, um Kommunikation überhaupt erst möglich zu machen. Kommunikation in Social Media ermöglicht somit nur begrenzt direkte Kommunikation, da nicht räumlich versammelte Menschen eben immer nur über ein Medium erreicht werden können. Und sobald ein Medium zwischen geschaltet werden muss, kann die Kommunikation nicht oder nur eingeschränkt direkt sein.

Die Formulierung Social Media ermögliche direkte Kommunikation hat sicherlich einen nicht ganz von der Hand zu weisenden Hintergrund. Das Medium, das zwischengeschaltet wird, kann zu einem viel stärkeren Grad selbst bestimmt werden. Inhalte werden erstmals auf der eigenen Fanpage oder dem eigenen Blog nicht vorselektiert, sondern sind, sofern man direkt auf diese Angebote geht, für jeden sichtbar. Aber eben gerade dadurch, dass bspw. Facebook Inhalte im Newsfeed der Nutzer selektiert und hierfür bestimmte Kriterien anwendet, die nicht unbedingt immer im Sinne der Unternehmen und Kommunikatoren sind, kann man eben nur von eingeschränkter direkter Kommunikation sprechen. Die Personen, die die Nachricht erreicht, können mir direkt Feedback darauf geben und man kann direkt in eine Interaktion kommen – jedoch muss man sich immer klar vor Augen halten, dass die Nachricht eben nicht von allen erreicht wird.

Kommunikation in Social Media ist somit nicht per se direkt, sondern nur direkt mit jenen, die die Hürden der Auffindbarkeit und der Filterung übergehen. So lange diese Problematik besteht, wird es weiterhin Fotos von Katzen, Babys und anderen inhaltsleeren Content geben, der einzig das Ziel hat mit der Technik und deren Algorithmen zu reden und nicht mit dem Nutzer.

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