Barcamps/Social Media

Das Community Camp Berlin 2012

Dieses Wochenende fand das fünfte Community Camp Berlin statt. Für mich war es das erste Barcamp und ich muss sagen, ich bin absolut angefixt. Obwohl ich aufgrund einer schweren Erkältung nur einen der zwei Tage am Camp teilnehmen konnte, hat dieser mich so begeistert, dass ich mich schon auf mein nächstes Barcamp freue.

Was bei Barcamps im Gegensatz zu gewöhnlichen Konferenzen absolut begeistert, ist, dass man das komplette Geschehen selber mitgestalten kann. Zu Beginn wird gemeinsam ein Sessionplan erarbeitet. Jeder der Lust hat, kann ein Thema vorschlagen, zu dem er gern eine Session abhalten möchte. Und auch die Sessions selbst sind dann zumeist sehr interaktiv gestaltet. Hier geht es also sehr stark um das gemeinsame Diskutieren.

Das Community Camp Berlin fand dieses Jahr in der cimdata Akademie statt, die lustigerweise direkt gegenüber von meinem Büro ist. Zeitgleich fanden dort vier Sessions für je eine Stunde statt, zwischen denen man wählen konnte.

Drei der von mir besuchten Sessions möchte ich hier kurz anreißen, da dort Punkte diskutiert wurden, über die es definitiv lohnt weiter nachzudenken.

#1 Der Social Media Rant von meinem ehemaligen Kollegen Sascha Pfeiffer

In guter Sascha-Manier kotzte er sich über all die Dinge aus, die er an Social Media nicht mag. Beispielsweise, warum man so sinnlose Abkürzungen wie ROI und KPI verwenden muss, sowie darüber, was die meisten Social Media Manager unter eben diesen Bezeichnungen verstehen. Zumeist werden für ROI und KPI Kennzahlen angegeben, die mit den eigentlich dahinter stehenden Konstrukten nur noch wenig zu tun haben. Sascha hasst zudem Cat Content, Agenturen, den Edgerank, Facebook,… Nach der Session konnte man nur schwer den Reflex unterdrücken, jeden Satz mit „Ich hasse…“ zu beginnen.

#2 Melanie Gömmel vom WWF zum Thema Cat Content vs. „seriöser Inhalt“

Die Diskussion um Cat Content in Social Media kann mittlerweile zu einer der Urdiskussionen in diesem Feld gezählt werden. Wie viele sich hierzu nicht schon geäußert haben und auch noch werden. Mit der Änderung des Edgeranks hat das Thema aber noch mal an Brisanz gewonnen, schließlich werden jetzt Beiträge, die viel Interaktion hervorrufen auf Facebook bevorzugt behandelt und erhalten eine höhere Reichweite in den Timelines. Wie wir schon viel zu oft erfahren haben, erzielt Cat Content eine hohe Interaktion. Wird aufgrund der Änderungen des Edgeranks nun also jede Fanpage zur reinen Katzenfoto-Seite? In der Diskussion auf dem Community Camp kamen mehrere Aspekte auf, die ich für diese Fragestellung sehr relevant halte:
1.) Was kann überhaupt als Cat Content klassifiziert werden? Postet beispielsweise eine Supermarktkette ein Pandabären-Foto wird dies durchaus als Cat Content gehandelt. Postet hingegen der WWF dieses Foto und bringt es im Text mit einem Fakt oder einer Kampagne zu Pandabären zusammen, so kann der Post nur bedingt als Cat Content eingestuft werden. Der fehlende Bezug zum Unternehmen ist somit ein Faktor. Jedoch werden Humor, Bildlastigkeit oder Niedlichkeitsfaktor auch oft generalisierend mit Cat Content in Zusammenhang gebracht – ohne hier die Unterscheidung zwischen der jeweiligen Quelle zu machen. Ein süßes Pandabärenfoto muss also nicht per se Cat Content sein.
2.) Was bringt dem Unternehmen Cat Content? Wenn man als Handelskette nur Katzenfotos postet, kann sicherlich davon ausgegangen werden, dass hier die Unternehmensziele in Social Media verfehlt wurden. Jedoch bedeutet Cat Content nicht gleich, dass es für das Unternehmen langfristig nutzlos ist. Ist, wie in der Barcamp Diskussion richtig angemerkt wurde, das Ziel des Unternehmens auf Social Media in der Wahrnehmung zu bleiben oder die Aufmerksamkeit zu erhöhen, so ist Cat Content durchaus zielführend. Man kann dies in dem sehr klugen Satz zusammen fassen: Cat Content ist der notwendige Smalltalk in Social Media. So wie es bei Offline Gesprächen auch Smalltalk braucht, um die Situation zu lockern, um Informationen auszutauschen und in Erinnerung zu bleiben, ebenso wirkt auch Cat Content in Social Media. (Übrigens bin ich dafür, dass schleunigst ein anderer Begriff für Cat Content gefunden wird…)

#3 Session zum Thema unzufriedene Kunden und Trolle

Für eine interessante Diskussion sorgte das Thema, was man sich als Social Media Manager gefallen lassen muss. Dürfen Kunden einen auf Facebook persönlich beleidigen? Und wie reagiert man auf fiese Kommentare? Muss man wirklich immer höflich bleiben oder darf man den entsprechenden Adressaten bestimmt in seine Grenzen weisen? Kernfrage war, ob der Kunde auch in Social Media noch König ist. Sehr spannend fand ich an der Diskussion die doch sehr weit auseinander gehenden Meinungen, wie man mit unzufriedenen und sich aggressiv äußernden Facebook Fans umgehen kann. Ich persönlich bin der Meinung, dass in dieser Hinsicht keine neuen Regeln im Umgang mit unfairen Äußerungen gelten. Soll heißen: Auch wenn ich mich als Social Media Manager persönlich angegriffen fühle, kommuniziere ich hier dennoch als Unternehmen, sollte entsprechend also auf die Netiquette verweisen und stets höflich bleiben. Hilfreich ist dabei sicherlich von Kollegen Antwortposts auf aggressive Comments gegenlesen zu lassen. So kann man sicher stellen, dass man trotz möglicher persönlicher Betroffenheit im Sinne des Unternehmens kommuniziert. Unternehmen hingegen sollten sicher stellen, dass man in solchen Momenten auch entsprechenden Handlungsraum hat. Dass man also bei Beschwerden entsprechende Rückkopplungsmöglichkeiten im Unternehmen hat und hier Feedback einholen und ggf. Lösungen anstoßen kann. Wenn ein Unternehmen solche Prozesse nicht bereit stellt, hat es Social Media meiner Meinung nach nicht richtig verstanden.
Für zukünftige Barcamps würde ich mich freuen, wenn das Thema „Was darf der Kunde und was daraufhin der Social Media Manager“ noch weiter diskutiert wird, da dies ja elementarer Bestandteil unserer Arbeit ist. Die Erörterung der Vor- und Nachteile kann, wie schon in Ansätzen beim Community Camp, sehr lehrreich für uns sein.

Zu guter Letzt möchte ich mich herzlich bei den Organisatoren bedanken – es war ein richtig tolles Barcamp. Ein Danke geht auch an all jene, die mir den nötigen Arschtritt verpasst haben, mich für dieses Barcamp endlich anzumelden. Mein erstes Barcamp bleibt hundertprozentig nicht mein letztes. Wir sehen uns in zwei Wochen hoffentlich beim Monitoring Camp in Hamburg.

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4 Kommentare zu “Das Community Camp Berlin 2012

  1. Hey Wiebke,

    für mich war es auch das erste ccb12, auf Barcamps war ich bereits öfters.

    Ich fand die Veranstaltung, die ich privat, aber auch beruflich (ich bin CMO der Serienkarte.de – Sponsor der ccb12) wahrgenommen habe, sehr gelungen.

    Interessante Themen, gute Location, gute Verpflegung / Catering.

    Bin beim nächsten Mal wieder dabei.

    Lars Heinemann

  2. Pingback: CommunityCamp 2012 – Rückblick auf 2 Tage #ccb12 | steve-r.de

  3. Pingback: get noticed! communications blog

  4. Pingback: Einfach mal vorbeikommen. Man bleibt! - Das CommunityCamp 2012 - HellYeah Marketing - Ganz Einfach Social Media

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